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Rezensionen zu: Büchern, Postern und weiteren Accessoirs für die Wohnung.

Rezension:Wohnideen 1001 Nacht: Zeitgemäß wohnen im orientalischen Stil (Gebundene Ausgabe)

Solvi Dos Santos ist laut Klappentext eine der international bekanntesten Fotografen für Interior Design und Lifestyle. Von ihr stammen die vielen schönen Fotos im vorliegenden Bildband. Die informativen Texte, die die Fotos begleiten, wurden von Berrin Torolsan verfasst.

Die beiden Damen haben sich mit der Inneneinrichtung von 28 orientalischen Häusern bzw. Wohnungen befasst und stellen diese Wohnwelten den Lesern und Betrachtern erfreulich detailverliebt vor.

Mehr als 450 Farbfotos erwarten das neugierige Auge. Die Betrachtungen beginnen im Frühling und enden im Winter. So liest man auch gleich zu Beginn, dass Türken Frühlingsblumen aufs Innigste lieben und sie deshalb Bouquets aus Rosen, Hyazinthen, Nelken, Istanbuler Tulpen und Pfingstrosen auf Kacheln, Teppichen, in Stickereien und auf Textilien abbilden. Man lernt eine Residenz am Ufer des Bosporus kennen, deren lichtdurchfluteter "Rosa Salon" den Blick auf den Bosporus und auf einen grünen Garten freigibt. Sessel und freistehende Polsterbänke ersetzen u.a. die Diwane, die früher die Wände säumten. Man lernt Zimmer um Zimmer kennen und bewundert die gewölbte Decke der Marmorhalle, die mit herrlichen Pfingstrosen bemalt ist.
Es folgen Innenaufnahmen eines Sommerpalastes in Istanbul, der einst einem Grafen Osterog gehörte. Er war ein polnischer Adeliger, der als islamischer Regierungsberater und in den letzten Tagen des Osmanischen Reiches für wichtige Aufgaben in der Verwaltung verantwortlich war. Hier ist der Treppenaufgang besonders hervorzuheben. Geschmückt ist dieser mit glasierten Fliesen aus Iznik, Damaskus und Tabriz sowie einer seltenen Stickerei und edlen osmanischen Kaligrafien. Die hohen Fenster des so genannten Pfauenschwanzaufgangs sind in den Garten nach Osten ausgerichtet. Dies bewirkt, dass morgens die Sonne das Innere des Hauses in glühendes rosa Farblicht taucht.


Das Arbeitszimmer war einst der Aufenthaltsort des französischen Dichters Pierre Loti. Im chinesischen Zimmer erinnern niedrige Sofas an klassische osmanische Diwane, auf denen einst Kissen zum Zurücklehnen aufgetürmt wurden. Nicht uninteressant ist auch ein modernes Apartment in Pera, das von einem Innenarchitekten bewohnt ist. Im Schlafzimmer steht ein sehr schönes Bett mit einem beigefarbenen Wildleder gepolsterten Kopfteil. Eine sehr edle, vielleicht ein wenig unterkühlte Atmosphäre...


Ganz anders die Räume eines Herrenhauses auf den Prinzeninseln.... Diese Inseln sind Istanbul vorgelagert. Es ist unmöglich die vielen textlichen Informationen zu diesem und allen folgenden Häusern wiederzugeben, sondern man kann immer nur kurz skizzieren und Neugierde wecken. Die Decke im Salon des Herrenhauses mit Bildern von Panoramen und antiken Monumenten ist von vergoldeten, achteckigen Kassetten umrahmt. Die Außenfassade des hölzernen Palastes verführt zum Träumen.


Immer wieder wechselt von Inneneinrichtung zu Inneneinrichtung der Stil. Immer wieder ist man aufs Neue überrascht über die gestalterischen Fähigkeiten derjenigen, die diese Häuser eingerichtet haben. Besonders begeistert bin ich von einem zu einer Privatwohnung umfunktionierten Kloster auf der Ägäis-Insel Cunda. Dort befindet sich im Salon im Parterre, der auf das Meer blickt, eine französische Chaiselongue aus dem 18. Jahrhundert. Eine lederne Reisetruhe dient als Tisch. Ein abstraktes Ölgemälde und eine moderne Skulptur auf dem Boden schaffen es die unterschiedlichen Zeiten miteinander zu verbinden. Das Himmelbett im großen Schlafzimmer ist das Highlight im Kloster. Es wurde, wie man liest, vom örtlichen Schmied entworfen und gefertigt.


Ein einfaches Steinhaus in Alcati Cesme ist ebenfalls sehr geschmackvoll eingerichtet. Der Kamin dort ist hundert Jahre alt und wurde aus einem inzwischen abgerissenen Herrenhaus gerettet. In einem Herrenhaus in Bodrum hängt an einer weißgetünchten Wand eine erlesene Sammlung osmanischer Kalligraphien und auf der Insel Bozcaada vor Troja hat man Gelegenheit das moderne Innenleben eines äußerlich sehr kargen Steinhauses zu bewundern und schließlich in Kappadokien sogar ein Höhlenhaus von innen kennen zu lernen. Das Innere einer Höhlenkammer mit konkaven Wänden, gewölbten Decke und Nischen dient zur Aufbewahrung. Interessant auch ist ein traditionell osmanisches Haus in Safranbolu. Dort wurde u.a. der alte von kleinen Nischen flankierte Kamin in einen dekorativen Alkoven verwandelt.

Nachdem der Sommer und der Herbst schon ins Land gegangen sind und man sich Seite um Seite mit fremder Ästhetik befasst hat, liest man den Satz: "Die Wintermonate sind die Zeit der Kreativität....Es ist die Zeit des Studierens, des Lesens, der Kontemplation, der Zeit, in der die innere Welt erwacht." Ein Grund mehr sich auf die kommenden Monate zu freuen...

Ich werfe einen letzten Blick auf die Schriftstellerklause Orhan Pamuks in Cihangir. Seine Bibliothek bleibt als stärkster Eindruck neben den schönen Bildern des Klosters auf der Ägäis-Insel Cunda in meinem Gedächtnis haften.

In diesem Buch werde ich an trüben Spätherbsttagen wohl öfter blättern......


Ein Augenschmaus für Menschen, die das Schöne lieben.

Empfehlenswert!


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